Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lobte das Mannheimer Jazz-Festival im vergangenen Jahr als das „umfangreichste Jazzfestival weltweit“. OK, klingt mundvoll, ganz von der Hand zu weisen ist es aber nicht. Alleine dieses Jahr fanden in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen rund 60 Veranstaltungen statt. Sage und schreibe sechs lange Wochen und eine künstlerische Bandbreite der Extraklasse machen Enjoy Jazz zu einem Festival von internationalem Gewicht. Ausnahme Musiker wie Richard Bona, Branford Marsalis, Joshua Redman, Cassandra Wilson oder Ryuichi Sakamoto werden dabei höchstem künstlerischem Anspruch gerecht.
ZEILENSPIEL besuchte und schrieb über drei Konzerte darunter das musikalische Highlight vom japanischen Komponist, Autor und Schauspieler Ryuichi Sakamoto. Der Meister der leisen Töne. Es war wohl das einzige Konzert, für das sich der Besucher im Nachhinein entschuldigen muss. Denn wer sich – wie wir auch - in den ersten 40 Minuten gefragt hat, welches vielgelobte Talent Sakamoto denn eigentlich habe, bekam ab der 41sten Minute die Antwort. Das Konzert begann leise, ja, fast schwach. Musikalische Phrasen schienen sich ständig zu wiederholen, mitunter bis zur Schmerzgrenze. Untermahlt mit projizierten Visuals klagt Sakamoto dabei den egoistischen Umgang mit der Umwelt an. Ein Fingerzeig. Die Musik geht tief, die Anklage geht unter die Haut. Alles scheint verloren. Gibt es keine Möglichkeit, unser Handeln rückgängig zu machen? Doch dann dreht sich die Musik. Die Klänge des Altmeisters sind auf Hoffnung programmiert. Hoffnung auf eine bessere Welt. Und Hoffnung auf Heilung der Umwelt. Die Stimmung im Saal hebt sich. Es folgt ein fulminantes Finale. Stehende Ovationen. In der Zugabe scheint der Weltschmerz genommen zu sein.
Schade für all jene, die im ersten Drittel bereits den Raum verlassen haben und schade für jene, die die Botschaft nicht verstanden haben.
Fotos von Michael Bäter
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